ICAAP und Szenarioanalysen als Steuerungsinstrument nutzen
Einordnung: Regulatorischer Rahmen und aktuelle Anforderungen
Der Internal Capital Adequacy Assessment Process (ICAAP) ist ein zentrales Element der bankinternen Kapitalsteuerung. Er verpflichtet Institute, die Angemessenheit ihrer Kapitalausstattung eigenverantwortlich sicherzustellen – unter Berücksichtigung aller wesentlichen Risiken, einer mehrjährigen Kapitalplanung und angemessener Stresstests.
BaFin und Bundesbank konkretisieren die Anforderungen im ICAAP-Leitfaden sowie in den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk). Die wesentlichen Eckpfeiler sind die beiden Perspektiven – normative Perspektive (Einhaltung regulatorischer Kennzahlen) und ökonomische Perspektive (Substanzsicherung auf Barwertbasis). Sie sind gleichrangig zu betrachten und miteinander zu verzahnen. Die mehrjährige Kapitalplanung muss mindestens drei Jahre vorausschauen, mit Basis- und adversen Szenarien. Angemessene Stresstests decken wesentliche Risiken des Instituts ab und bilden deren Auswirkungen auf Kapital und Liquidität konsistent ab. Die Governance umfasst Verantwortung der Geschäftsleitung, quartalsweise Berichterstattung und jährlichen ICAAP-Bericht.
Diese Anforderungen entwickeln sich weiter: Mit der 9. MaRisk-Novelle (Konsultation seit April 2026) kommen zusätzliche Vorgaben hinzu. ESG-Risiken sind verbindlich in das Risikomanagement zu integrieren, und Institute müssen für einen Zeithorizont von bis zu zehn Jahren sogenannte Resilienzanalysen durchführen. Gleichzeitig fordern Aufsichtsbehörden eine stärkere Begründungslogik: Die Angemessenheit von Proportionalitätsentscheidungen muss aktiv und prüfungsfest nachgewiesen werden.
Hinzu kommt der aufsichtliche Fokus: Im Nationalen Aufsichtsprogramm 2026–2028 von BaFin und Bundesbank gehören ICAAP-Prüfungen zu den Schwerpunkten. Im Jahr 2026 wird zudem ein Less Significant Institution (LSI)-Stresstest durchgeführt, der Cyber- und IT-Risiken unter Berücksichtigung von Auslagerungskonzentrationen adressiert.
Herausforderungen in der Praxis
Diese steigenden Anforderungen treffen auf gewachsene Strukturen. Wir stellen fest, dass viele Finanzdienstleister vor ähnlichen Herausforderungen stehen: Die Verzahnung von normativer und ökonomischer Perspektive ist unzureichend. Stresstests werden isoliert durchgeführt und nicht systematisch in die Kapitalplanung integriert. Risikoquantifizierungen sind nicht durchgängig nachvollziehbar. Nicht-finanzielle Risiken (NFR), wie ESG-Risiken, werden nicht konsistent berücksichtigt oder nur unzureichend in bestehende Modelle eingebunden. Es bestehen Brüche zwischen Risikocontrolling, Treasury und Gesamtbanksteuerung.
In einem Marktumfeld, das von geopolitischen Spannungen, Zinsvolatilität, Klimarisiken und technologischen Umbrüchen geprägt ist, reicht ein statischer ICAAP nicht mehr aus. Institute benötigen ein Kapitaladäquanz-Framework, das vorausschauend, dynamisch und datengetrieben ist.
Unser Verständnis
Genau hier setzen wir an: Wir verbinden regulatorische Anforderungen mit moderner Szenarioanalyse, um Risiken nicht nur zu messen, sondern frühzeitig sichtbar und steuerbar zu machen.
Dabei setzen wir gezielt KI-gestützte Werkzeuge ein – als Hilfsmittel, nicht als Ersatz für Fachexpertise. KI ermöglicht es uns, große Datenmengen zu analysieren, Muster zu erkennen und alternative Szenarien zu identifizieren, die in klassischen Stresstests oft verborgen bleiben. Die Interpretation der Ergebnisse, die Bewertung ihrer Relevanz und die Ableitung von Steuerungsimpulsen erfordern jedoch Branchenwissen und Methodenkompetenz – beides bringen wir als Berater mit.
Unser Ansatz lässt sich so zusammenfassen: KI als Strukturierungs- und Beobachtungswerkzeug, nicht als Risikomodell. Wir nutzen KI zur Ableitung möglicher Stressszenarien – die Risikobewertung selbst erfolgt mit bewährten Methoden und bleibt prüfungsfest, d.h. klar außerhalb der Risikoklassifizierung des AI-Acts. Wie das konkret aussieht, zeigt unser Beratungsangebot.
Unser Beratungsangebot
ICAAP-Framework und Governance
Für Institute, die ihren ICAAP grundlegend weiterentwickeln wollen, beginnen wir beim Rahmenwerk. Wir unterstützen bei der Entwicklung und Weiterentwicklung eines konsistenten ICAAP-Frameworks: von der Risikoinventur über die Verzahnung normativer und ökonomischer Perspektive bis zur Integration in die Gesamtbanksteuerung. Das Ziel: ein ICAAP, der regulatorisch belastbar ist und effektive Steuerungsimpulse liefert.
Kapitalplanung und Szenarioentwicklung
Auf dieser Grundlage lässt sich die Kapitalplanung systematisch ausbauen. Wir begleiten die mehrjährige Kapitalplanung – mit Basis-, Stress- und adversen Szenarien, die wesentliche Risiken des Instituts treffen. Wir nutzen KI-gestützte Analysen, um makroökonomische Signale, Marktbewegungen und Portfoliostrukturen zu verarbeiten und plausible Zukunftspfade abzuleiten.
Stresstests und Wirkungsanalysen
Die entwickelten Szenarien übersetzen wir in konkrete Portfoliowirkungen. Wir entwickeln und kalibrieren Stresstests, die über regulatorische Mindestanforderungen hinausgehen, und analysieren deren Auswirkungen auf Probability of Default (PD), Loss Given Default (LGD), Exposure at Default (EaD) und damit auf Expected Loss (EL), Risk-Weighted Assets (RWA), Risikotragfähigkeit und Kapitalplanung.
KI-gestützte Früherkennung und Musteranalyse
Ergänzend setzen wir KI-gestützte Analysen ein, um Muster zu erkennen, die klassischen Ansätzen verborgen bleiben: So können Kaskadeneffekte identifiziert werden – etwa wie ein Energiepreisschock über Lieferketten in Ausfallraten mündet. Ebenso werten wir makroökonomische Frühindikatoren aus, beispielsweise Zinsstrukturveränderungen, die Kreditrisiken beeinflussen können. Auch nichtlineare Wechselwirkungen werden sichtbar, etwa Branchencluster, die gleichzeitig unter Druck geraten. Eine weitere Anwendung ist die generative Szenarioentwicklung: plausible Zukunftspfade, die über regulatorische Standardszenarien hinausgehen.
ESG-Integration und Resilienzanalysen
Die neuen Anforderungen an ESG und langfristige Resilienz erfordern spezifische Ansätze. Wir begleiten die Integration von ESG-Risiken in den ICAAP – von der Identifikation über die Quantifizierung bis zur Verankerung in Szenarien und Kapitalplanung. Mit Blick auf die neuen Anforderungen an Resilienzanalysen (Zeithorizont bis zehn Jahre) entwickeln wir Ansätze, die langfristige Klimarisiken und Transitionseffekte abbilden.
Ableitung von Steuerungsimpulsen
Das Ergebnis unserer Arbeit sind keine abstrakten Empfehlungen. Wir übersetzen Szenarien und Wirkungsanalysen in konkrete Steuerungsempfehlungen. Eine Ausrichtung Ihrer Risikostrategie auf veränderte Risikoprofile, eine dynamische Limitsteuerung basierend auf Szenario-Sensitivitäten, eine Kapital- und Refinanzierungsoptimierung unter Berücksichtigung von RTF- und RWA-Effekten (z.B. direkt innerhalb unseres Risikoklassifizierungsverfahrens (RKV)), eine Priorisierung von Frühwarnindikatoren für Governance-Prozesse sowie Portfolio-Neuausrichtung entlang szenariobasierter Risiko-/Ertragsprofile realisieren wir gerne für Sie.
Sie möchten Ihren ICAAP weiterentwickeln oder Ihre Szenarioanalysen auf ein neues Niveau heben? Sprechen Sie uns an.
Hier geht es zum BCM Assessment der KD UB
